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Shattered Horizon

Eigentlich ist die Idee so simpel, dass man sich wundern muss wieso noch niemand darauf gekommen ist. Shattered Horizon, Erstlingswerk von FutureMark, ist ein Shooter - im Weltall. Ich lasse das erst einmal einsinken, damit mal Eure Fantasie spielen kann, denn bei einem Spacenerd wie mir tanzten da die Hoffnungen Tango mit den Befürchtungen...
Okay, fertig? Gut. Shattered Horizon ist das erste Spiel von Benchmarkentwickler FutureMark, die damit ihren fulminanten Einstieg in die Spieleindustrie feiern. Vorweg, FutureMark Games hat hier ein Spiel abgeliefert, dass die Geister spalten wird. Meine bisherigen persönlichen Erfahrungen mit Eindrücken anderer Spieler lassen mich zu dem Schluss kommen, dass das Spiel entweder fesselt oder schnell langweilit - und das kommt immer auf den Spieler an, denn das Spiel macht an sich alles richtig, zumindestens das, was es macht.
Setting
In wenigen Jahren wird die private Raumfahrt die staatliche größtenteils ablösen oder übernehmen. Die ISA renoviert die Internationale Space Station und auf dem Mond siedelt sich die MMC an, welche dort Helium3 abbauen, welches die Energiekrise der Erde beenden soll. 80 Jahre nach der Mondlandung und dem ersten Betreten des Mondes scheint die zerstörische Natur des Menschen leider wieder die Oberhand zu ergreifen, denn nach einem Minenunglück splittern sich Trillionen von Tonnen Mondgesteins von dem Mond ab und treten in das Erdorbit ein. Nun entsteht ein Kampf ums Überleben, denn die Ressourcen reichen nur für eine der beiden Fraktionen. Nun heißt, Wissenschaftler gegen Minenmitarbeiter - in space!
Gameplay
Gameplay im Weltall ist ziemlich anders und gewöhnungsbedürftig. Das ist jetzt nicht nur irgendso ein Spruch, Shattered Horizon ist wirklich anders. Was man zunächst beachten muss ist, dass die Gegner nicht nur von links oder von rechts, sondern eben auch von oben und unten kommen können, was einen, sofern man frei irgendwo rumschwebt, ziemlich schnell töten kann Da man aber selbst auch die Möglichkeit hat überall rumzuschweben, könnte man denken, dass die Steuerung ziemlich komplex ist, und ja, das ist sie. Zu mindestens komplexer als bei vergleichbaren FPS-Spielen wie Counter-Strike. Man kann weiterhin mit WASD auf der Horizontalen sich fortbewegen, hinzu kommt, dass man nun hoch und hinunter steuern kann. Mit Shift geht es hinunter und mit der Leertaste schwebt man hinauf. Mit der Maus zeigt man dann in die gewünschte Richtung und ab geht's, wenn gewünscht mit Booster.
Da es kein "Unten" und kein "Oben" gibt, kann man sich daher auch wie nach Belieben drehen, einfach die rechte Maustaste gedrückt halten. All dies macht das Gameplay ziemlich neu und fremd, aber auch interessant. Ich selbst hatte zu Beginn ungewöhnlich lange damit zu kämpfen neutrale Stats zu bekommen, was einfach damit zu tun hat, dass man sich mit dem Spiel beschäftigen muss. Es wird einige Leute geben, die das Spiel nach wenigen Minuten beiseite werfen werden, weil es sehr frustrieren kann, wenn man gegen gute Spieler spielt.
Andere werden dran bleiben und tolle Features entdecken. Die Standardwaffe kommt mit 3 verschiedenen Granaten daher: eine Eiswolke zur Vernebelung, einem EMP, der alle Systeme ausschaltet und einer Granate, die den Gegner schnell außerhalb der Map katapultiert. Das interessante: die Reichweite ist selbst einstellbar. Umso länger man den Knopf gedrückt hält, umso weiter fliegt die Granate - ohne Limit.
Der Einsatz von Granaten ist von Map zu Map unterschiedlich, manchmal sind sie fast Pflicht und auf anderen Maps so unnötig wie Lindsay Lohan. Apropos Maps: es gibt 4 verschiedene, aber das reicht, denn jede Map offeriert ein breites Angebot an Gameplay, zumal FutureMark bereits 4 weitere Maps als DLC versprochen hat. Eine Map spielt auf einem riesigen Asteroiden, der flach ist und auf dessen beiden Seiten der Krieg tobt. Man kann zwischen diesen Seiten schnell wechseln durch Brüche, passender Name: Flipside. Eine weitere Map spielt auf der zerstörten ISS, wo es um Deckung geht, eine weitere in einem Asteroidenfeld wo es keine Orientierungspunkte gibt und Granaten überlebenswichtig sind; und wer auf Moondust, einem Brocken des Mondes mit Minendurchgängen, Maschinen und Schlupflöcher, noch weiß wo oben und unten ist, der hat praktsich schon gewonnen.
Viele Kritiker haben bei dem Trailer, der das erste Gameplay zeigt direkt genörgelt: "Öhhh, gibt ja gar kein Sound im Weltall" und ja, da haben sie recht. Wichtig sind aber die kleinen Worte im Hintergrund des Computers, der eine Simulation des Sounds ermöglicht. Dies lässt sich ausstellen, wobei aber auch das Jetpack ausgeht. Auf manchen Maps ist man daher fast nicht zu erkennen und man kann genüsslich mehrere Gegner weghauen, während man nur die eigene Atmung hört. Atmosphärisch genial, fast wie ein Film. Mehrere Spieler eines Teams können so unbemerkt am Gegner vorbeischlupfen und die Map von hinten herum aufräumen.
HUD

Präsent auf dem HUD ist relativ wenig, wie man sieht. Im unteren Mittel ist das Radar. Das besondere an diesem Radar ist eben, dass es die dreidimensionale Umwelt korrekt abbildet, eben mit Höhenunterschied. Das ist ziemlich genial gemacht und ist überraschend unwichtig. Ich kann bisher kaum an eine Situation denken, an der dieses wirklich bei mir zum Einsatz kam. Es kann aber manchmal, wenn man in engen Räumen eine Eisgranate abbekommt und Getümmel um einen ist, definitiv etwas zur Orientierung helfen. Direkt die kleine Säule links daneben ist die Boostanzeige.
Gegner, sofern gespottet, erscheinen in rot markiert, auch selbst von weit entfernt, und sind daher oft sehr leicht zu erkennen. Dass das dann auch durch manche Asteroiden hindurch sichtbar ist, macht es manchmal ziemlich einfach den Gegner in selbst schwierigem Gebiet zu folgen, aber die haben ja auch den gleichen Vorteil. Oben rechts erscheint eine Anzeige je nach Spielmodus, in dem Beispielscreenshot sieht man die verschiedenen Flaggen und von wem sie gerade besetzt sind. Gegenüber auf der oberen linken Seite erscheinen die Frags.
Insgesamt ziemlich schlicht und einfach und passt auch zur Atmosphäre. Das gesamte HUD kann aber auch ausgeschaltet werden, wenn man das Jetpack ausschaltet, was noch mehr Atmosphäre schafft. Wer also schon immer mal ein Minimalgefühl an Astronautsein haben wollte, das hier kommt ziemlich nah und billig, so visuell jetzt.
Grafik
Es ist FutureMark, was erwartet man da? Natürlich, wunderbare Grafik. Auch wenn das ein wenig weit aus dem Fenster gelehnt wäre, die Grafik als wunderbar zu bezeichnen, finde ich sie persönlich fantastisch. Das liegt nicht unbedingt daran, dass sie neue Standards setzt, aber eben besonders durch das Setting für Gamer ungewohnte Atmosphären schafft, die einfach interessieren und in dieser Form noch nicht da gewesen sind und wohl auch so schnell nicht mehr zu finden sein werden; alleine deshalb ist das Spiel wichtig und wird wohl ein ähnliches Schicksal wie Mirror's Edge finden: Von der Masse verschmäht, aber ein wichtiger Schritt für die Industrie und das Gaming überhaupt. Die se geschaffene Atmosphäre ist neu und toll. Dies ist auch noch nach längerem Spielen so und wenn ein Spiel dazu einlädt einfach mal kurz stehen zu bleiben und sich umzuschauen, dann ist das primär immer ein sehr gutes Zeichen. Besonders gut gefällt das Spiel zwischen Schatten und Sonnenlicht, welches natürlich im Weltraum in seiner ultimativen Form ausgetragen wird. Schaltet man das Jetpack aus und fliegt zum Beispiel in der einen reinen Asteroidenmap umher, wo fast nur Schatten herrscht, ist man so gut wie unsichtbar. Fliegt man jedoch im Schatten mit den Jetpackdüsen, kann man sich gleich selbst erledigen. Die Grafik ist nett und unterstützt das Spiel, so sollte das sein. Jedoch sind die Grafikanforderungen zu hoch. Für ein Spiel, das Ambitionen in Sachen eSport hat, sollte man auch DirectX9 Support haben, welcher hier gänzlich fehlt. Vielleicht ist das ein Schritt in die Zukunft und ein Signal an viele Gamer endlich aufzurüsten, aber momentan definitiv ein kleines Hindernis.
Sound
Normalerweise sagt man bei Medien, dass der Sound gut ist, wenn man ihn gar nicht bewusst wahrnimmt. Bei Shattered Horizon fällt er auf und das auf wundervolle Weise. Denn im Weltall gibt es, wie wir alle wissen, luftleeren Raum welcher Geräuschübertragung verhindert. Shattered Horizon hat Sound, Shattered Horizon hat Schussgeräusche und Shattered Horizon hat Jetpacklärm. All das, kann man mit einem Knopfdruck ausschalten und man hört lediglich das Atmen des Astronauten. Denn der Sound ist eine Simulation. Das ist eine Notlösung. FutureMarkt hat bestätigt, dass sie eine Simulation zunächst in Betracht hatten, aber es einfach zu langweilig bzw. eintönig wäre, wenn man nur das Atmen hören würde. Aber man hat ja die Wahl; schön.
Fazit
Shattered Horizon ist ein tolles Spiel. Ich habe das Spiel mehreren Personen gezeigt, die sich es sofort gekauft haben; darunter auch gewisse Muffel im Hinblick auf neue Spiele. Das Spiel polarisiert, aber wenn man begeistert wird, dann so richtig. Das Spiel macht eben all das richtig, was es tut. Dabei fällt eben ein großer Teil des Gaming wie der Singleplayer oder Waffenvielfalt unter den Tisch, aber der Rest ist perfekt. FutureMark wollte einen kleinen Shooter, ungewohnt und neu, kreieren, der im Multiplayer neue Standards setzt. Und das haben sie geschafft. Daher finde ich sollte man das Spiel an dem Maßstab seitens des Entwicklers setzen, was viele Kritiker nicht taten und somit Shattered Horizon einen Metacriticschnitt von 73 einbrachten, was eine Frechheit ist.
Was das Spiel macht, das macht es gut. Die Spielerzahl hat sich durch Preisangebote bei Steam über die Weinachtszeit fast verdreifacht. Es hat perfekte Voraussetzungen für einen Erfolg im eSport, es bietet trotz geringer Vielfalt eine Langzeitmotivation, es schaut gut aus und ist innovativ. Ich weiß beim besten Willen nicht, was man mehr von einem Spiel will.
































